
Aus dem Kapitel: Die Zahnfee und der kleine Mutstern
…
In diesem Moment begann der Mond draußen heller zu leuchten. Ein goldener Kreis öffnete sich mitten im Zimmer, und daraus traten drei Gestalten.
Zuerst kam Mama Ashera.
Sie hatte ein warmes Lächeln, Augen voller Trost und eine Stimme, die klang wie Tee mit Honig an einem kalten Morgen.
Hinter ihr kamen Chrissii und Chrisyi.
Chrissii, die große rothaarige Helferin, trug eine kleine Laterne, in der ein Mutlicht brannte.
Chrisyi, die blonde Jüngere, hatte eine winzige Tasche dabei, aus der es nach Kamille, Erdbeeren und ein bisschen Zauber roch.
„Na, mein kleiner Tapferling“, sagte Mama Ashera und setzte sich neben Emil. „Da hat sich wohl ein Zahn gemeldet, wa? Und zwar nicht gerade höflich.“
Emil musste trotz seiner Angst ein bisschen lachen.
„Er tut weh.“
„Dann braucht er Hilfe“, sagte Chrissii ernst. „So wie ein knarzendes Türchen Öl braucht. Oder ein trauriger Teddy eine Umarmung.“
Chrisyi nickte eifrig.
„Und so wie ein Keks manchmal Milch braucht, damit er nicht so trocken durchs Leben muss.“
Die Zahnfee kicherte.
„Meine besten kleinen Helferlein. Immer poetisch. Manchmal auch hungrig.“
Chrisyi grinste unschuldig.
„Ich denke nur praktisch.“
Dann holte die Zahnfee aus ihrer Mondledertasche einen winzigen Stern hervor. Er war kaum größer als ein Apfelkern, aber er leuchtete hell und ruhig.
„Das ist ein Mutstern“, erklärte sie. „Er nimmt die Angst nicht weg. Das kann und soll er gar nicht. Angst will uns manchmal beschützen. Aber er macht sie kleiner. So klein, dass dein Herz wieder Platz zum Atmen hat.“
Emil sah den Stern an.
„Kann ich ihn morgen mitnehmen?“
„Aber natürlich“, sagte Mama Ashera. „Du musst ihn nicht in der Hand halten. Es reicht, wenn du ihn dir vorstellst. Genau hier.“
Sie tippte sanft auf seine Brust.
„Da wohnt er dann.“
Chrissii hob ihre kleine Laterne.
„Und wenn du morgen auf dem Zahnarztstuhl sitzt, stellst du dir vor, diese Laterne steht neben dir. Sie leuchtet nicht laut. Sie macht keinen Krach. Sie sagt nur: Du bist sicher.“
Chrisyi setzte sich auf die andere Seite des Bettes.
„Und du darfst alles sagen. Auch: Ich habe Angst. Auch: Bitte kurz Pause. Auch: Was machen Sie jetzt? Das ist nicht peinlich. Das ist schlau.“
Die Zahnfee nickte.
„Ganz genau. Ein guter Zahnarzt erklärt, hilft und passt auf. Er ist kein Drache. Eher ein Handwerker für kleine Zahn-Schlösser.“
„Mit Bohrer“, murmelte Emil skeptisch.
Mama Ashera zog eine Augenbraue hoch.
„Ja, manchmal. Aber weißt du was? Auch Ritter hatten Werkzeuge. Und niemand sagt: Oh nein, der Schmied hat einen Hammer, jetzt ist er böse.“
Emil lachte wieder, diesmal ein bisschen mehr.
„Der Zahnarzt ist also ein Zahnschmied?“
„Ganz genau“, sagte Chrissii. „Ein Zahnschmied mit Lampe.“
„Und vielleicht mit einem Stuhl, der hoch und runter fährt“, ergänzte Chrisyi. „Das ist fast wie ein Mini-Fluggerät. Nur ohne Aussicht aufs Meer.“
Die Zahnfee schwebte ein Stück höher und malte mit ihrem Zauberstab einen leuchtenden Kreis in die Luft.
Darin erschien ein Bild.